Zukunftsvisionen2017 – Franziska Brandts im Gespräch mit Fabian Matz

ZUKUNFTSVISIONEN2017
Festival für zeitgenössische Kunst Görlitz (D)

Franziska Brandts im Gespräch mit Fabian Matz über
seine Objekt-Installation «shaped bodies» im ehemaligen jüdischen «Kaufhaus Adolph Totschek»

Was hast du dir bei der Anordnung gedacht?  Warum vor allem auch Paare?
Mit 20 Objekten der Werkgruppe «shaped bodies» kam ich nach Görlitz, ohne zu wissen wie gross der Ausstellungsraum ist. Ich brauchte eine Zeit, bis ich mich in diesem offenen Raum zurechtfinden und mich sowie der installativen Arbeit identifizieren konnte. Wir gehen gleich hier, in unmittelbarer Nähe der Installation, nicht durch eine Tür oder ein Torbogen und treten in die Rauminstallation. Ich musste mir Gedanken machen wie meine Arbeit sich ausdehnen kann. Es standen mehrere Flächen zur Verfügung: die Wandfläche, die Bodenfläche, die Decke sowie die Fenster. Die Fenster waren für mich jedoch anhand der Sicherheitsabsperrungen nicht mehr ein Thema. Ich habe erst angefangen mal ein paar Objekte auf den Boden zu stellen und so entstand von Zeit zu Zeit diese Anordnungen von einzelnen Objekten wie auch eben diese Paare wo zum einen formal ähnlich sind.

Warum hast du dich gegen die Decke entschieden?
Es ist die Raumhöhe, die mir einen Zugang zu weit distanziert hat. Es ist schon eine extreme Raumhöhe. Deshalb habe ich mich dann mehr auf die Bodenfläche konzentriert, weil ich das bisher mit dieser Arbeit noch nie gemacht habe.

Hast du bewusst gewählt, dass diese beiden Objekte so auseinander zeigen?
Ja, das entstand dann eben durch diese Überlagerung wenn man von der einen Seite hinsieht. Es gab zum einen die Verbindung mit diesen Holzleisten, mit diesen Linien wo auch so zum Beispiel bei diesen zwei Objekten eben so eine Richtung zeigen wollen.

Deswegen hast du auch diese gewählt, die so rechteckig sind?
Ja genau, zum einen die Richtung des Raumes, zum Anderen auch wie bei diesem Objekt zum Beispiel wollte ich diese diagonale Linie mit der Naht im Fussboden fortführen.

Und bei diesen da, wolltest du auch die Parallele zur Wand schaffen?
Ja, das war mehr so eine formale Entscheidung.

Mit was hast du die Objekte festgemacht?
Die meisten sind mit einem einzelnen Nagel oder zwei welche jeweils diagonal gehängt sind. Zum anderen habe ich Acrylglas-Winkel konstruiert, welche dann an die Wand montiert wurden, sodass die Objekte einfach darauf liegen können.

Du willst auch, dass die Leute zwischen den Objekten durchgehen?
Ja das ist erwünscht. Ich habe deshalb auch einen Raum erschaffen, der dazu einlädt, dass die Betrachtenden hindurchgehen und auch die Objekte aus der Nähe anschauen.

Manche sind dunkel, manche sind hell. Gibt’s da einen Grund dazu?
Ich wollte nicht, dass alle den gleichen Farbton haben.

Warum nicht?
Diese Objekte sind für mich alles Individuen. Das heisst, jeder einzelner Körper hat eine andere Form. Keiner ist gleich. Ich wollte ursprünglich in Serie mit einer gleichen Form arbeiten. Anhand des Arbeitsprozesses, entschied ich mich zu einer heterogenen Objektserie: verschiedene Formen, Massen und Farbtöne.

Gibt’s zu dieser Verschiedenheit von deinen Objekten eine Parallele?
Die sind als Einzelstücke so verschieden wie irgendwas anderes: z.B. die Beine eines Menschen, der die Strumpfhosen trägt – also ist da eine Parallele oder wolltest du einzigartige Einzelstücke schaffen?

Ja ich löse diese Strümpfe ihrer ursprünglich gedachten Funktion weg und erschaffe mit diesen Körperhüllen wiederum Körper. Die ursprünglich dafür konstruierten Körper, die mir als Instrument und Werkzeug gedient haben, sind abwesend.

Darf man sie anfassen oder erlaubst du das nicht?
Wenn jemand diese Objekte berühren möchte, um die Materialität auf haptische Weise zu erfahren, habe ich nichts dagegen. Nur ist es so, dass ich eben diese kleine Distanz zwischen den Objekten und Betrachtenden aufrecht erhalten möchte. Eine Neugier soll entstehen um die Objekte anzufassen, jedoch aber nur auf eine visuelle Weise.

Und gleichzeitig lässt du die Leute so nah wie es geht ohne die Berührung an die Objekte heran?
Ja genau. Ich denke, dass ist auch eine Parallele, die zwischen uns Menschen existiert: Wir berühren auch nicht gleich einen Menschen, um ihn besser kennenzulernen, wenn wir ihn durch Blickkontakte kennenlernen können. Ausnahme bei einer Sehbehinderung, die einen visuellen Kontakt nicht ermöglicht.

Willst du mit dieser bewusst provozierten Neugierde die Betrachtenden auch ein wenig nachfühlen lassen, wieso du so fasziniert von dem Material der Strumpfhose bist? Dadurch, dass die Strümpfe starr sind, sind sie ja anders als gewohnt und dadurch spannender. Oder ist das nur meine Interpretation?
Das stimmt schon. Meine Neugier gegenüber diesem Material und den Objekten möchte ich über diese Arbeit zum Ausdruck bringen. Ich habe in den vergangenen Tagen während des Aufbaus und der Ausstellung festgestellt, dass die Damen schneller erkennen können um welches Material es sich in dieser Arbeit handelt. Mich interessieren auch die unterschiedlichen Reaktionen der Betrachtenden, wenn ein durchaus bekanntes Produkt/Material in einer anderen Form sichtbar wird.

Hast du schon mal darüber nachgedacht farbige Strümpfe zu nehmen bzw. nicht eckige Objekte zu erschaffen? Du hast ja keine runden Elemente. Ist das eine bewusste Entscheidung? Ja, das ist in dieser Arbeit eine bewusste Entscheidung.
Ich wollte mit dieser Werkgruppe vom menschlichen Körper weggehen und eckige sowie kantige Formen erschaffen. Dadurch entsteht auch eine Distanz zwischen dem Material und dem menschlichen Körper. Diese Formen stehen für sich.

Wie du auch gesagt hast, dass eben keine Parallele besteht zwischen der normalen Funktion der Strümpfe und den hier einzigartigen Objekten. Und das mit den farbigen Strumpfhosen, ist dir das schon mal in den Kopf gekommen? Oder möchtest du das nicht?
Das ist schon eine grundlegende Entscheidung, dass ich mich für diese Farbtöne entschieden habe. Ich habe auch schon mit schwarzen Feinstrümpfen solche Objekte erschaffen. Habe aber festgestellt, dass die aufgrund der Farbigkeit und Materialität für sich als eigene Werkgruppe stehen.

OK, aber so richtig bunt wird deine Arbeit nicht?
Nein, weil die feinen Abstufungen der Farbtöne zueinander mir wichtig sind und dass ich Farbtöne habe, die «Unfarben» sind. Sie sind nicht klar identifizierbar oder haben einen bestimmte Bezeichnung. Ich bin immer wieder erstaunt was die Hersteller der Strumpfwaren für Namen den Farbtönen geben, damit man diese auch unterscheiden kann.

Warum möchtest du keine identifizierbare Farbe?
Weil sie damit schnell in eine Bedeutung hineinkommen. Wir haben doch für viele Buntfarben, sei es rot, grün, blau, orange oft einen schnelleren Zugang oder eine starke Verbindung. Bei den Farbtönen in meiner Arbeit behaupte ich, dass das nicht so ist. Man sagt hier weniger, diese Farbe gefällt mir, oder diese gefällt mir besser. Sie stehen alle für sich. Als Ganzes betrachtet passen sie alle zusammen.

Man kann natürlich in diese nicht identifizierbaren Farben ja auch etwas hineininterpretieren. Ich könnte mir vorstellen wenn man eine richtige bunte Farbe hat, dann ist die Interpretation viel schneller gemacht. Wie du sagst, man leitet schneller dazu, dass man es mag oder dass man Zugang dazu findet.
Ich habe bis jetzt bewusst nicht den Begriff «Hautton» oder Hautfarbe verwendet. Vor kurzem hat mich die AfroSoul Sängerin Lebogang Masemola vom Performance-
kollektiv DissOPERAlusion auf diesen Begriff aufmerksam gemacht. Im Bezug zu ihrer Hautfarbe, habe ich keinen Farbton in einem der Objekte der ihrer Hautfarbe entspricht. Das heisst eben auch, es sind Farbtöne die sich auf europäische Hauttypen beziehen, jedoch nicht auf Farben der Hauttypen z.B. aus Afrika oder dem asiatischen Raum. Das wird dann zu einem politischen Thema, das ich gerne aufnehme. Eine politische Botschaft möchte ich aber in meiner Arbeit nicht zum Ausdruck bringen. Diese Strumpfwaren löse ich vom eigentlichen Produkt und dem Verwendungszweck los, stelle Körper her, die dann auf eine indirekte Weise mit dem menschlichen Körper oder der menschlichen Haut in Verbindung treten.

Könnten diese Körperhüllen theoretisch auch andere Körper tragen?
Mich interessiert mehr das Thema der Abwesenheit in diesen Körperhüllen. Mir geht es darum, dass wir hier eine Körperhülle sehen, der Körper selbst, sowie ein Skelett oder ein Drahtgerüst, die diese Hülle aufrecht halten existieren nicht. Lediglich das ausgehärtete Epoxidharz im Polyamidgewebe hält diese «künstliche Haut» aufrecht. Es geht mir auch um die Fragilität und Feinheit der Objekte. Das ist auch eine Frage beim Betrachten der Objekte, die nicht gleich erkennbar ist. Das leichte Gewicht dieser Objekte, muss man sich «ersehen» oder «erkunden».

Hast du dir zuerst überlegt was du ausdrücken willst, was deine Message sein soll? Oder war das mehr so intuitiv, dass du die Werke erschaffen hast und herausgefunden was du dabei ausdrücken willst? Das ist für mich eine generelle Frage bei Kunst: Macht man sich ein Konzept/eine Idee oder ein Punkt wo man hingelangen will oder gelangt man durch den Prozess hin und dann versteht man erst selbst was man ausdrücken will.
Der Prozess bringt mich hauptsächlich in den Arbeiten weiter. Die Arbeit selbst ist die Inspiration. Es hat schon angefangen eben, dass ich mir so eine Sammlung angeschafft habe mit diesen Strümpfen und irgendwann fragte ich mich dann doch, was mache ich jetzt mit diesen? Ich habe sie aus der Neugier gekauft und dem Interesse an diesem Material und habe mich dann wirklich konkret gefragt: Was mache ich mit diesen Strümpfen jetzt? Ich habe dann irgendwie versucht einen Weg zu finden, indem ich arbeiten kann ohne zu Wissen was daraus entstehen kann. Es ist ein experimenteller Arbeitsprozess, so dass ich eigentlich nicht sehen kann wie das «Endprodukt» aussieht. Ich arbeite jetzt auch so, dass ich in mehreren Werkgruppen parallel arbeite. Es ist eine serielle Arbeitsweise. Die Werkgruppen lasse ich aber vom Format, der Anzahl, der Masse offen. Damit meine ich, dass eine Arbeit nicht explizit aus zwanzig Objekten besteht und bleibt, sondern je nach Raumsituation wie auch hier in dieser Ausstellung ZUKUNFTSVISIONEN2017 ist es so, dass diese Arbeit in dieser Dimension und Anordnung in dieser Form nur hier so existieren kann. In einem anderen Ausstellungsraum, wird sich die Arbeit formal verändern.

Hast du dir schon von Anfang an offen gehalten welche Objekte weggelassen werden?
Ja, das hatte ich auch schon bei der letzten Ausstellung in einem kleinen Ausstellungsraum in Basel gemacht. Hier habe ich alle zwanzig Objekte, die ich mitgenommen habe, in die Ausstellung miteinbezogen.

Also du überlegst dir auch nicht vorher, wie viele Objekte du machen wirst?
Ich habe schon im Atelier eine Auswahl getroffen. Es gibt noch einige Exemplare mehr, die jedoch im Atelier geblieben sind. Im Vorfeld habe ich schon eine Entscheidung getroffen welche Objekte ich ausstellen möchte und welche nicht. Die Dimension des Ausstellungsraumes ermöglichte dies auch, dass ich alle Objekte als Rauminstallation ausstelle.

Du hast ja gesagt, dass du mehrere Werkgruppen parallel machst. Erstens würde mich mal interessieren: Wie entscheidest du? Ich möchte jetzt mal etwas Neues anfangen, oder ist es wenn man bei etwas anderem nicht mehr weiterkommt? Oder weil du eine neue Inspiration hast? Und überlegst du dir dann, wenn du eine neue Werkgruppe anfängst, ich möchte jetzt 20 Stück machen oder machst so viel bis es sich richtig anfühlt?
Das entsteht über einen längeren Zeitraum. Ich sage mir manchmal schon, dass ich zehn Objekte machen möchte, aber wenn ich das fünfte Objekt gemacht habe, dann bin ich bei einer anderen Idee oder bei einer anderen Vorstellung der Arbeit angekommen. Ich setze mir ein Ziel, das sich aber während des Prozesses verändern kann oder ich auf einen anderen Weg gelange. Das ist für mich das spannende an meiner Arbeit. Überraschungen und/oder Fehler lasse ich durchaus zu, die Neues entstehen lassen.

Was unterscheidet deine Werkgruppen voneinander?
Zum einen die Dimensionen und das Gewicht. Zum anderen auch die Gestalt/Form der Körper. Diese Arbeit «shaped bodies» ist vom Gewicht her eine sehr leichte und fragile Arbeit. Ich arbeite in Verbindung mit Feinstrümpfen und Epoxidharz zusätzlich mit Stiefeln, die ich mit Kies fülle und die Strümpfe über diese Stiefel anziehe. In dieser Werkgruppe mit dem Titel «body stretching against stretch marks» wird mehr die Dehnbarkeit des Gewebes zum Thema. Ich erschaffe Figuren, Körper, die eine stärkere Verbindung zum menschlichen Körper/Figur und der Hülle haben im Vergleich zu den abstrakten Körper in der Rauminstallation «shaped bodies». Dort geht es mir durchaus darum, dass eine Verbindung zwischen den Betrachtenden und den Objekten entsteht. Fragen wie «Wie verhalten sie sich zueinander?» oder «Wie verhalten sich die Objekte zu den Betrachtenden selbst?» sind dann sehr zentral, wenn es um den Raumbezug im Ausstellungskontext geht.

Wie denkst du passiert das?
In dem ich u.a. für die Ausstellung auf einen Sockel verzichte. Für mich ganz klar, dass die Objekte auf demselben Boden sind wo die Betrachtenden sich auch befinden. So entsteht eine direkte Verbindung durch den Raum.

Aber diese Verbindung ist ja z.B. bei denjenigen an der Wand nicht da.
Nein, bei dieser Arbeit geht es mir ja auch nicht um eine direkte Verbindung mit den Betrachtenden, sondern um die Frage der Identifikation. Was sehe ich in diesem Raum? Oder was nicht? Was ist abwesend und was ist anwesend?

Spielst du auch mit dem Kreis, der entsteht wenn man das Gewebe strafft?
Ich habe je länger je mehr angefangen dies zu «steuern». Man sieht das bei einzelnen Objekten, dass ich explizit die Naht nicht parallel zur längeren Seite positioniere, sondern im 90° Winkel zur anderen Seite. Man erkennt dann auch die Konsequenz davon, wie sich dann das Gewebe verhält, wenn die Spannung auf den Seiten nachlässt. Dann wird es zu einer Ellipse. Manchmal eine «Unform». Jemand erinnert es auch an eine Kaffeebohne.

Sind die Objekte am Boden befestigt?
Nein, die stehen ohne Befestigung auf dem Fussboden.

Sind die stabil, wenn ich jetzt da dranstossen würde? Ich finde das ganz schwer nur vom optischen zu erkennen. Man weiss gar nicht wie schwer oder wie das Gewicht ist.
Ich habe mir schon oft die Frage gestellt, ob die Betrachtenden diese Leichtigkeit auch erkennen können. Aber wenn ich mit dem Fuss dranstossen würde, dann kippen sie um. Auch wenn mal ein stärkerer Windstoss durch den Raum gehen würde, dann würden die einen oder anderen Objekte bestimmt umkippen. Die Transparenz ist auch unterschiedlich. Je nachdem wie viel Harz das Gewebe aufgenommen hat, sind die Objekte mehr oder weniger lichtdurchlässig.

Hast du auch schon mit Strumpfhosen gearbeitet, die noch durchsichtiger sind? Funktioniert das überhaupt? Die Poren sind ja zum Teil so verklebt, dass man nicht mehr klar hindurchsehen kann.
Die Stärke des Gewebes wähle ich gezielt, nachdem ich die Körper für das Aushärten gebaut habe. Mittlerweile habe ich ein geschultes Auge, was die Stärke des Gewebes betrifft. Die Form und die Gewebestärke sind massgebend oder ich überlasse es dem Zufall wie sich das Gewebe und die Form nach dem Aushärten verhält. Die sehr feinen Strümpfen nehmen sehr wenig Harz auf. Entsprechend ist es auch schwieriger, den Körper wieder vom Gewebe herauszunehmen.

Können die auch reissen? Oder verhindert dies das Harz?
Nein, sie reissen wie Papier. Das habe ich bei einigen Objekten festgestellt. Aufgrund der Harzmenge und des Gewebes sind die Gewebeflächen manchmal stabiler und fester oder sie können leicht knicken, was dann zu bleibenden und sichtbaren Spuren im Gewebe führt.

Würdest du das auch in der Werkgruppe miteinschliessen, dass es auch mal Objekte gibt, die gerissen sind?
Vor ein paar Tagen habe ich noch weitere Objekte für die Ausstellung produziert. In einem davon entstand durch die eine kleine Beschädigung und der Spannung über dem Körper eine Laufmasche. Die wurde dann durch das Harz «eingefroren». Bei diesem Objekt nutzte ich dann die Gelegenheit, um weitere Eingriffe zu machen. Mit dem Messer habe ich in das noch nicht ausgehärtete Gewebe hineingeschnitten. Dabei beobachtete ich wie sich das Gewebe über die Oberflächenspannung verhält. Das ist ein Beispiel dafür, dass ich durch Unvorhergesehenes weiter mit diesem Material experimentieren möchte. Diese Arbeit ist nie vollendet. Ich betrachte mich auch in gewisser Weise als Forscher, der sich ein entsprechendes Forschungsgebiet aufbaut.

Also siehst du da noch viele Möglichkeiten, wie du deine Kunst noch weiterentwickeln kannst?
Auf jeden Fall. Aus dem Grund auch, dass ich mehrere Werkgruppen habe, gibt es da und dort immer wieder Anknüpfungspunkte, wo ich weiterarbeite.

Findest du deine Arbeit harmoniert mit dem Raum?
Ich konnte mich nach einer gewissen Zeit sehr gut mit diesem Raum identifizieren. So wie auch mit der immer verändernden Lichtsituation durch die grossen Fenster. Als ich angefangen habe die Objekte zu platzieren und an der Wand zu montieren, beobachtete ich das von Stunde zu Stunde ändernde Tages- und Sonnenlicht. Zum Zeitpunkt, als die Sonne direkt in den Raum gekommen ist, sah ich, dass die Objekte und auch die Oberflächen manchmal weniger, manchmal stärker zum Ausdruck gekommen sind. Auch die Wand hat ihren Charakter und Ausdruck wie die Farbe an einigen Stellen abblättert und herunterfällt. So fragil und leicht verletzlich die Wandfarbe ist, so ist auch unsere Haut.

Kennst du diese Situation mit dem Licht schon in anderen Ausstellungsräumen oder ist es hier das erste Mal, dass es so krasse Unterschiede gibt?
Das entstand hier zum ersten Mal mit dieser Arbeit «shaped bodies». Diese Raumdimension sowie die erläuterte Lichtsituation ist mit der Installation einzigartig und funktioniert sehr gut.

Hast du auch mal darüber nachgedacht Lampen oder anderen Objekten zu integrieren? Oder möchtest du, dass es bei diesen Objekte bleibt?
Das kommt weiter auf die Raumsituation darauf an, wo ich die Arbeit installiere. Deshalb möchte ich auch eben vor Ort im Raum Entscheidungen treffen wie die Arbeit installiert wird. Im Atelier entstehen die Objekte. Aber im Ausstellungsraum kann sich die Arbeit durchaus auch weiterentwickeln. Ich schliesse auch nicht aus, dass ich vor Ort im Ausstellungsraum an Objekten arbeiten werde, um auf den Raum explizit einzugehen. Das finde ich auch sehr interessant, dass eben der Ausstellungsraum ggf. auch diese Möglichkeit bieten kann, dass sich die Arbeit dort weiterentwickeln kann. Nicht nur das Atelier soll mir als Arbeitsort dienen, sondern auch die Ausstellungsräume.


21/05/2017